Sonntag, 1. Januar 2006

Über uns

Historie:

Nach Fertigstellung der "Dömitzer Brücke", nahm der gewerbliche Güterfernverkehr und somit auch der Transport von Gefährlichen Stoffen auf der Straße in unserem Landkreis deutlich zu. Dies erkannten sehr schnell die verantwortlichen Führungskräfte der Kreisfeuerwehr und stießen damit auch nicht auf "Taube Ohren" in der Kreisverwaltung. Somit stand sehr schnell der Entschluss fest, zusätzlich zu der bereits seit einigen Jahren bestehenden Strahlenschutzgruppe der FF Lüchow, einen Gefahrgutzug ins Leben zu rufen. Unter Leitung des 1. Zugführers des Gefahrgutzuges, dem OBM Wolfgang Düver von der FF Dannenberg, wurde ein Konzept für eine Spezialeinheit der Feuerwehr entwickelt, um die verschiedensten Einsätze mit gefährlichen Stoffen und Gütern bewältigen zu können. So wurde aus der Strahlenschutzgruppe der FF Lüchow, durch ständige Erweiterung der Ausrüstung und Ausbildung die Messgruppe der FF Lüchow. Bei der FF Dannenberg entstand die Gefahrgutgruppe und bei der FF Karwitz die Dekontaminationsgruppe, welche durch die Brandschutzgruppe der FF Jameln unterstützt wird. Diese vier Gruppen bildeten ab 1994 den neu strukturierten Umweltzug in der Kreisfeuerwehr Lüchow-Dannenberg.

Wie richtig die Entscheidung der damals Verantwortlichen war, zeigen die bisherigen Einsätze. Des weiteren muss man sich heute einmal zwischen 07.00 Uhr und 07.30 Uhr an die Kreisgrenze in der Göhrde stellen und die in unseren Landkreis fahrenden Gefahrguttransporte zählen. 12 Fahrzeuge in einer halben Stunde sind keine Seltenheit, wobei hier Gefährliche Stoffe und Güter aller 9 Klassen der Gefahrgutverordnung Straße/Eisenbahn (GGVSE) zu finden sind.

Was macht diese Einheit?

Der Umweltzug des Landkreises Lüchow-Dannenberg ist eine Spezialeinheit zur Abwehr von Gefahren, aufgrund von Unfällen oder Unglücksfällen im Zusammenhand mit jeglichen gefährlichen Stoffen und Gütern, welche in unserem Landkreis zu Lande und zu Wasser befördert werden.

Wir sind in der Lage, fast alle ABC-Lagen zu bewältigen. Insbesondere die Messgruppe kann A (Atomare) und C (Chemische) Gefahren feststellen. Das Messen von B (Biologischen) Gefahren ist bei uns nicht möglich.

Der Umweltzug steht im Rahmen der nachbarschaftlichen Löschhilfe auch unseren angrenzenden Nachbarlandkreisen zur Verfügung.

Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Ausbildung von Feuerwehrkameraden und -innen. Durch Kräfte des Umweltzuges wird der Grundlehrgang Gefährliche Stoffe an der FTZ in Dannenberg durchgeführt. Er qualifiziert Atemschutz- geräteträger anderer Wehren, unseren Zug bei Gefahrguteinsätzen personell zu unterstützen, wenn in deren Bereichen ein Einsatz abgearbeitet werden muss.

Wer gehört alles zum Zug dazu und welche Aufgabenverteilung gibt es? Wie bereits erwähnt, gehören zurzeit vier Feuerwehren aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg zu dieser Einheit.

Wie gliedert sich der Zug?

Zugtrupp: mit dem Zugführer, zwei Stellvertretern, einem Sprechfunker und einem Kraftfahrer sowie dem Einsatzleitwagen (ELW). Auf dem ELW befinden sich verschiedene Funkgeräte, ein Handy und ein Computer/Drucker mit entsprechenden Gefahrgutdatenbanken, sowie Einsatzunterlagen von gefährdeten Betrieben im Landkreis. Der ELW ist bei der FF Karwitz stationiert, von welcher der derzeitige Zugführer stammt.

Messgruppe Lüchow: mit dem Gerätewagen Messtechnik (GW-Mess), ausgerüstet mit diverser Messtechnik für A und C Lagen, einem Computer mit Gefahrgutdatenbanken, einem Handy mit Fax-Gerät und entsprechender Vollschutzkleidung. Weiterhin stellt die FF Lüchow das Bundesfahrzeug LF 16-TS, worauf sich auch noch ein "Schnell-Einsatzzelt" befindet. Von der FF Lüchow wird einer der beiden stv. Zugführer gestellt.

Gefahrgutgruppe Dannenberg: mit einem Wechselladerfahrzeug (WLF) mit Abrollbehälter Gefahrgut (AB-G), dem Gerätewagen Gefahrgut (GW-G) zur Bekämpfung von C-Lagen und zur Ölschadenbeseitigung einschließlich entsprechender Vollschutzkleidung, dazu der Rüstwagen 2 (RW 2, Techn. Hilfeleistung) mit Zusatzgerät zur Ölschadenbeseitigung (insbesondere Ölsperren für Gewässer). Mit dem AB-G können ca. 30.000 Ltr. Flüssigkeiten aufgefangen werden und Leckagen abgedichtet werden. Des weiteren besetzt die FF Dannenberg das Bundesfahrzeug LF 16-TS und von der FTZ den Gerätewagen Nachschub (GW-N) mit Überfässer. Ein Pulveranhänger wird ebenfall mitgeführt und bei Bedarf wird auch das WLF 2 mit Kran zum Heben und Bergen von Fässern und einer Schuttmulde besetzt. Von der FF Dannenberg wird einer der beiden stv. Zugführer gestellt.

Dekontaminationsgruppe Karwitz: mit dem Gerätewagen Dekontamination Personen (GW Dekon-P) mit Schnelleinsatzzelten und Duschmöglichkeiten, Warmwasseraufbereitung und Grobreinigung der unter Vollschutz eingesetzten Kameraden/-innen. Es werden Auffangwannen und Faltbehälter für Frisch und Schmutzwasser mitgeführt. Dazu von der FF Karwitz das TSF-W mit 1000 Litern Wasser an Bord.

Brandschutzgruppe Jameln: mit dem Tanklöschfahrzeug 16/24, zuständig für den dreifachen Brandschutz (Wasser, Schaum, Pulver) und zur Unterstützung der Dekon-Gruppe Karwitz.

Als Fachberater steht uns Dr. chem. Herbert Geldermann, von der FF Küsten, mit seinem Fachwissen zur Seite.

Die Gesamtstärke des Zuges beträgt 1/11/48. Eine Alarmierung erfolgt grundsätzlich über Funkmeldeempfänger und Sirene.


Spektakuläre Einsätze:
  • 2000: Gasfund in Küsten
  • 2001: Gasexplosion Fa. Artesan in Lüchow; Gesunkenes Sportboot mit Schadstoffen an Bord in Hitzacker
  • 2002: Jahrhunderhochwasser mit diversen Öl-Einsätzen; Umgestürzter Tanklastzug auf der B 216; Freiwerden einer flüssigen Formaldehydlösung (zur Konservierung eines Haifisches) im Schulzentrum Lüchow
  • 2003: Unklarer Gasgeruch an den berufsbildenden Schulen in Lüchow
  • 2004: Tanklastzug mit 40 Tonnen schweren Heizöl beladen droht auf der B 71 umzukippen; Austritt von giftigen Dämpfen eines illegal entsorgten Reinigungsmittel auf einer Großbaustelle in Dannenberg
  • 2005: Messeinsatz beim Großbrand in Dannenberg, Fa. ContiTech
Was uns unbedingt noch fehlt:

  • Zur Vervollständigung unseres Zuges wäre die Auslieferung eines in Aussicht gestellten Bundesfahrzeuges vom Typ "ABC-Erkundungs-kraftwagen" (ABC-ErkKw) zu begrüßen
  • Eine Wärmebildkamera, u. a. zum Auffinden von Leckagen an Leitungen und Gefässen mit gefährlichen Stoffen (Hierbei entsteht Wärme) wäre für unsere Arbeit sehr hilfreich
  • Der ELW vom Typ Ford Transit ist mit weit über 20 Dienstjahren in "die Jahre" gekommen, so dass über eine Neubeschaffung gesprochen werden muss
Stefan Schmidt
Zugführer Umweltzug


1 Kommentar:

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